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| Jahreslosung - Hintergründe und Anfragen |
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| Geschrieben von Gerold Klompmaker | |
| Mittwoch, 28. Dezember 2011 | |
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Jahreslosung 2012 Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2. Korinther 12,9) Situation Paulus und Korinth – das war ein spannungsgeladenes Verhältnis. Das lag wohl an beiden Seiten. Kümmern wir uns erst einmal um Korinth: Es handelt sich hier um eine Hafenstadt, die aufgrund ihrer Lage (zwischen zwei Meeren) für wirtschaftliche Entwicklungen äußerst günstig liegt. Eine der mächtigsten Handelsstädte im Römischen Reich entsteht. So eine Stadt zieht die verschiedensten Leute an. Korinth ist ein Sammelsurium unterschiedlichster Kulturen, Lebensstile, religiöser Auffassungen. Paulus kommt nach Korinth und findet Arbeit als Zeltmacher. Aus 2 Gründen bekommt er Stress mit den Leuten in der jungen christlichen Gemeinde: Zum Einen verkündigt Paulus, dass diejenigen, die Christus nachfolgen wollen, sich nicht an die grundlegenden jüdischen Gebote wie z.B. Beschneidung und koscheres Leben halten müssen. Zum Anderen haben die Korinther mit Paulus ein Problem, weil er nicht zu den Jüngern gehörte, die mit Jesus umhergezogen waren und die Jesus beauftragt hatte, in die Welt zu gehen, um das Evangelium zu verkünden.
Wie geht Paulus damit um? Er beruft sich auf seine außergewöhnliche Begegnung mit Christus – mit dem auferstandenen und zum Himmel aufgefahrenen Christus, der ihn direkt angesprochen hat. Diese nachträgliche Berufung legitimiert ihn und das, was er sagt.
Aber interessanterweise lässt Paulus nicht den Starken raushängen, der er sowieso nicht war. Den Korinthern kommt er in einer gewöhnungsbedürftigen Ehrlichkeit. Er spricht von Schwäche, von starken gesundheitlichen Problemen, von Leiden. Den Korinthern dürfte das nicht gefallen haben, waren sie doch als Handels- und Kulturstadt gewöhnt, dass Menschen ihre Stärken heraus polierten und ihre Schwächen versteckten.
„Lass dir an meiner Gnade genügen“ So hat Paulus es von Gott erfahren. Die Jahreslosung nimmt nur den zweiten Teil von Vers 9 auf und nicht diesen ersten Teil. Und: Die Jahreslosung setzt davor: Jesus Christus spricht. So klar ist es exegetisch nicht, wer hier spricht. Calvin sieht „Gott“ selbst als Urheber dieses Wortes, weil er auch der Urheber der Leiden des Paulus ist. Zuvor hatte Paulus ganz intensiv um Heilung gebeten, besser gefleht. Aber: Die Antwort Gottes ist nicht die Behebung seiner Krankheit, sondern dieser Satz: „Mehr als Gnade bekommst du nicht, das muss genug für dich sein!“ Hinter diesem Gotteswort steckt die Gewissheit, dass auch ein Leben mit Krankheit, mit Behinderung, mit anderen Einschränkungen ein vollständiges und voll-gültiges Leben ist. Auf dem Hintergrund dieser Erkenntnis könnte man darüber nachdenken, wie der oft nach einer Geburt gehörte Satz zu werten ist: „Hauptsache gesund!“
Der Glaube an Gott bedeutet nicht unbedingt äußeres Glück. Die Antwort Gottes auf unsere Bitten kann ganz anders ausfallen, als wir uns das wünschen. Was erhoffe ich mir eigentlich vom Glauben an Gott?
„ …denn Kraft kommt in der Ohnmacht zum Ziel“ So lautet eine andere Übersetzung der Jahreslosung. Sie nimmt auf, dass das Wort „meine“ nicht in allen Handschriften zu finden ist und dass das Wort, das in diesem Halbvers der Kraft gegenüber gestellt ist, nicht personalisiert wird. Es bedeutet so viel wie „Kraftlosigkeit“ oder eben Ohnmacht. Das griechische Wort, das hier mit „Kraft“ übersetzt wird (dynamis), bedeutet so viel wie Stärke, kann aber auch als Wort für „Macht“ gebraucht werden und sogar den Namen Gottes ersetzen. Das Verb dieses Halbverses „teleo“ hat mit dem Wort „teleos“ zu tun, das so viel wie Ziel, Erfüllung, Ende bedeutet. Es geht hier also ums vollenden, um erfüllen. Man kann also durchaus auch gut mit „zum Ziel kommen“ übersetzen.
Deutlich wird: Die Kraft – damit ist Gott selbst gemeint – zeigt sich, offenbart sich gerade in der Ohnmacht. Paulus spricht hier vom Kreuz Christi, an dem genau dieser Satz zur deutlichsten Anschauung geführt wird. In der Ohnmacht des Kreuzes zeigt sich die Macht Gottes. Hier kommt die Macht Gottes zum Ziel, weil sie zur Ostererfahrung führt.
Gott lässt Paulus nicht mit dem harten Satz „Mehr als meine Gnade kriegst du nicht“ zurück, sondern baut ihn geradezu in seiner Ohnmacht und Schwäche auf. So wie der Tod die Voraussetzung für die Auferstehung ist, ist die Schwachheit/ Ohnmacht Voraussetzung für das Erleben und Erfahren der Stärke Gottes.
Wenn Menschen also in ihrer Schwachheit/ Ohnmacht nicht auf sich selbst vertrauen, sondern ihre Schwachheit/ Ohnmacht Gott hinhalten, werden sie Gottes Kraft erfahren. Letztlich ist hiermit auch das Ziel der Auferstehung von den Toten anvisiert!
Gnade und Kraft kann ich also auch dann erfahren, wenn sich äußerlich an meiner Not nichts ändert. Wie kann das konkret aussehen?
Wenn nicht Kreuz, Leiden und Tod das letzte Wort haben, sondern die Auferstehung in Christus, was hat das für Auswirkungen auf den Umgang mit meinen schwachen Seiten, mit meiner Krankheit etc.?
Wie können wir eine Kultur entwickeln und pflegen, in der das „Gott Hinhalten der Schwächen“ als Stärke gesehen wird?
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| Letzte Aktualisierung ( Montag, 9. Januar 2012 ) |





